Frust-Aussagen von Real Madrids Top-Torjäger Kylian Mbappé haben tiefe Risse innerhalb des Teams offenbart. Nach dem 2:0-Heimsieg der Königlichen in der spanischen La Liga gegen Real Oviedo am Donnerstagabend äußerte der Stürmerstar seinen Unmut vor Journalisten: «Ich stand nicht in der Startelf, weil der Trainer sagte, dass ich in seinen Augen nur der vierte Stürmer sei, hinter Mastantuono, Vini und Gonzalo. Das akzeptiere ich.»
Unter lauten Buhrufen hatte der 27-Jährige in der 68. Minute das Feld betreten und elf Minuten später das 2:0 durch Jude Bellingham vorbereitet. In der Kritik steht Mbappé bei den Fans, weil er in der Zeit seines verletzungsbedingten Ausfalls spanischen Medienberichten zufolge mit Schauspielerin Ester Expósito nach Italien gereist war. Der Vorwurf: Mbappé würde seine Genesung nicht ernst nehmen und sich für die anstehende Weltmeisterschaft schonen wollen.
Arbeloa widerspricht Mbappé
«Ich war 100 Prozent fit», sagte der Franzose. «Ich war bereit zu starten, es war seine Entscheidung. Du kannst nicht sauer auf den Trainer sein, du musst immer die Entscheidung des Trainers akzeptieren. Ich werde weiter hart arbeiten und darauf warten, wieder ein Starter zu sein.»
Trainer Álvaro Arbeloa zeigte sich ob der Aussage seines Spielers überrascht: «Ich habe keine vier Stürmer und habe so etwas nicht zu Mbappé gesagt. Er hat mich wahrscheinlich nicht verstanden. Ich weiss wirklich nicht, was ich euch sagen soll.»
Diese öffentliche Diskrepanz zwischen einem der teuersten Spieler der Welt und einem erst wenige Monate im Amt befindlichen Trainer wirft ein Schlaglicht auf die angespannte Stimmung im Verein. Arbeloa, der erst im Januar die Nachfolge von Xabi Alonso antrat, hat es bislang nicht geschafft, den Chaos-Club zu beruhigen. Intern gilt der ehemalige Real-Verteidiger als Übergangslösung, doch nach den jüngsten Ereignissen könnte seine Zeit schneller enden als erwartet.
Mourinho zurück zu Real Madrid?
Laut dem Transfer-Journalisten Sacha Tavolieri soll José Mourinho vor der Rückkehr zu Real Madrid stehen. Mourinho steht bis 2027 bei Benfica Lissabon unter Vertrag. Da seine Coaching-Saison in der portugiesischen Hauptstadt jedoch nicht ideal verläuft und Benfica zurzeit nicht auf einem Champions-League-Platz steht, könnte schon ein früherer Wechsel möglich werden. Dann würde er auf Arbeloa folgen, der die Trainerposition erst im Januar von Xabi Alonso übernommen hat.
Tavolieri schreibt, dass Mourinho sich nächste Woche zum Wechsel äussern werde, bisher gibt es jedoch weder vom Club noch von Mourinho selbst eine Bestätigung seiner Rückkehr. Der Portugiese war 2010 bis 2013 Trainer von Real Madrid und führte sie zum Titel und zum Cupsieg. Seine erste Amtszeit war geprägt von militärischer Disziplin, enormen Erfolgen – aber auch von Konflikten mit Stars wie Casillas und Ramos. Ein erneutes Engagement des 63-Jährigen würde nicht nur Arbeloa ersetzen, sondern auch eine Rückkehr zu altbekannten Tugenden bedeuten.
Doch Mourinho ist nicht der einzige Name, der in Madrid gehandelt wird. Auch Jürgen Klopp, seit seinem Abschied von Liverpool vereinslos, soll auf dem Zettel der Vereinsführung stehen. Sportdirektor Juni Calafat bevorzugt jedoch offenbar einen jüngeren, entwicklungsorientierten Trainer – was gegen Mourinho spricht. Die Entscheidung dürfte in den kommenden Tagen fallen, da die Unruhe im Kader immer größere Kreise zieht.
Interne Streitigkeiten und hohe Strafen
Die Unstimmigkeiten zwischen Mbappé und Arbeloa sind die jüngsten einer Reihe von Streitereien bei den Königlichen. Erst vor wenigen Tagen verhängte der Club eine Strafe in Höhe von jeweils 500'000 Euro gegen die Mittelfeldspieler Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni. Zwischen den beiden war es zu einer handfesten Auseinandersetzung in der Kabine gekommen, bei der sich Valverde Verletzungen am Kopf zuzog.
Hintergrund der Prügelei soll eine verbale Entgleisung von Tchouaméni gewesen sein, der Valverde angeblich als «Brasilianischen Holzfäller» beleidigte – ein Verweis auf dessen rustikalen Spielstil. Valverde, Uruguayer mit aufbrausendem Temperament, reagierte sofort und schlug zu. Beide Spieler mussten von Teamkollegen getrennt werden. Die hohen Geldstrafen sollen ein Zeichen der Vereinsführung sein, dass solche Vorfälle nicht toleriert werden. Trotzdem bleibt die Stimmung im Team angespannt.
Hinzu kommt die unklare Zukunft von Superstar Jude Bellingham. Der Engländer wird seit Monaten mit einem Wechsel zu Manchester City in Verbindung gebracht. Sollte Bellingham Madrid im Sommer verlassen, würde die Mannschaft einen weiteren zentralen Führungsspieler verlieren – ein Szenario, das die Krise noch verschärfen könnte.
Mbappés schwierige Saison
Für Kylian Mbappé persönlich läuft die Saison 2025/26 alles andere als nach Plan. Der Franzose, der 2024 ablösefrei von Paris Saint-Germain zu Real wechselte, hatte sich mehr erhofft. Zwar steht er bei 22 Toren in 34 Pflichtspielen, doch seine Leistungen schwanken. Immer wieder gibt es Kritik an seiner Einstellung und seiner Fitness. Die Reise nach Italien während seiner Verletzungspause hat das Bild des egomanischen Stars weiter befeuert.
Dabei begann seine Zeit in Madrid vielversprechend. In den ersten Monaten traf er fast nach Belieben und schien die Nachfolge von Karim Benzema nahtlos anzutreten. Doch die Verletzung im Februar 2026, eine Zerrung im Oberschenkel, warf ihn zurück. Seit seiner Rückkehr fehlt ihm der letzte Biss. Drei Spiele in Folge blieb er ohne Tor, und die Fans pfiffen ihn beim letzten Heimspiel bereits nach 30 Minuten aus. Die Aussagen gegenüber Arbeloa sind somit ein Ventil für seine eigene Misere.
Arbeloa hingegen versucht, die Mannschaft zu einen. Der 43-Jährige ist in Madrid keine unbekannte Größe – als Spieler gewann er unter Mourinho die Meisterschaft und später unter Ancelotti die Champions League. Doch als Trainer fehlt ihm die Erfahrung. Sein Vorgänger Xabi Alonso hatte nach nur acht Monaten das Handtuch geworfen, nachdem die Ergebnisse stagnierten. Nun steht Arbeloa vor einer noch schwierigeren Aufgabe: den Spitzenkader zu befrieden und sportlich wieder auf Kurs zu bringen.
Die Zukunft von Real Madrid hängt maßgeblich von den nächsten Wochen ab. Sollte Mourinho zurückkehren, wäre ein radikaler Umbruch zu erwarten. Der Portugiese ist bekannt dafür, keine Kompromisse zu machen und auch Stars die Meinung zu geigen. Ob das mit Mbappé funktioniert, ist fraglich. Der Franzose hat sich in Paris bereits mit Thomas Tuchel und Luis Enrique gestritten – und am Ende setzte er sich immer durch. In Madrid jedoch haben die Verantwortlichen um Präsident Florentino Pérez mehr Macht als jeder Spieler.
Bis zur Entscheidung über den Trainer bleibt die Stimmung explosiv. Schon das nächste Spiel gegen den FC Barcelona im Camp Nou könnte zur Zerreißprobe werden. Arbeloa muss beweisen, dass er die Kabine noch im Griff hat. Mbappé muss zeigen, dass er mehr ist als nur ein vierter Stürmer. Und Pérez muss entscheiden, ob er auf Kontinuität oder auf einen erneuten Neuanfang setzt.
Source: Tages-Anzeiger News