Bipko Biz Digital News

collapse
Home / Daily News Analysis / Peter Thiel: Die Wetten gegen Elon Musk waren ein furchtbarer Fehler

Peter Thiel: Die Wetten gegen Elon Musk waren ein furchtbarer Fehler

May 26, 2026  Twila Rosenbaum  4 views
Peter Thiel: Die Wetten gegen Elon Musk waren ein furchtbarer Fehler

Der Starinvestor Peter Thiel hat seinen langjährigen Bekannten und ehemaligen Geschäftspartner Elon Musk gegen die wachsende Kritik verteidigt. Gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit" äußerte sich Thiel deutlich: "Ich kenne Elon seit gut 18 Jahren. Er war nie töricht, sondern immer wagemutig." Diese Aussage steht im Kontrast zu den zunehmenden Skeptikern, die Musks Führungsstil und die Produktionsprobleme bei Tesla infrage stellen.

Thiel, der gemeinsam mit Musk und Max Levchin den Online-Bezahldienst PayPal gründete, kennt den Tesla-CEO aus erster Hand. Die Partnerschaft der drei war nicht immer reibungslos: Im Jahr 2000, als Zweifel an Musks Eignung als CEO von PayPal aufkamen, übernahm Thiel die Geschäftsführung. Zwei Jahre später führte er das Unternehmen an die Börse, woraufhin es von eBay übernommen wurde. Diese Transaktion legte den Grundstein für Thiels Milliardenvermögen. Heute wird Thiels Nettovermögen auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Thiels Werdegang als Investor

Nach dem PayPal-Verkauf konzentrierte sich Thiel auf seine Karriere als Investor. Er erkannte früh das Potenzial von Facebook und investierte 2004 als einer der ersten externen Geldgeber 500.000 US-Dollar in das soziale Netzwerk. Diese Beteiligung vervielfachte sich und machte Thiel zu einem der einflussreichsten Tech-Investoren des Silicon Valley. Thiel gründete zudem die Datenanalysefirma Palantir Technologies, die heute eng mit US-Geheimdiensten zusammenarbeitet. Seine Investmentfirma Founders Fund hat in zahlreiche Start-ups investiert, darunter SpaceX, Airbnb und Stripe.

Thiels Verteidigung von Elon Musk kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Tesla unter massivem Druck steht. Der Elektroautohersteller kämpft mit der Hochskalierung der Massenproduktion für das Model 3 – Musk selbst sprach von der "Produktionshölle". Immer wieder gab es Verzögerungen und Qualitätsprobleme, die den Aktienkurs belasteten. Anleger zweifeln an der Profitabilität des Unternehmens. Dennoch bleibt Thiel überzeugt: "Es ist während der vergangenen 18 Jahre ein furchtbarer Fehler gewesen, gegen Elon zu wetten. Tesla sollte nicht unterschätzt werden."

Kritik an der deutschen Automobilindustrie

Thiel nutzte das Interview auch, um einen Seitenhieb gegen die deutsche Autoindustrie zu verteilen. Seiner Ansicht nach wünschten sich deutsche Autobauer nichts sehnlicher, als dass Musk und Tesla verschwinden würden. "Ich glaube gerne, dass die deutsche Industrie ihn nur zu gerne los wäre", so Thiel. Er vermutet, dass die deutschen Konzerne nicht zu intensiv über die Zukunft des Elektroautos nachdenken wollten. Dabei sei es besser, diese Zukunft aktiv zu gestalten, statt "negative Energie auf Elon zu lenken".

Die deutsche Automobilbranche steht tatsächlich vor einem fundamentalen Umbruch. Hersteller wie Volkswagen, BMW und Daimler investieren Milliarden in die Elektromobilität, sehen sich aber gleichzeitig mit Teslas Innovationsvorsprung konfrontiert. Modelle wie der VW ID.3 oder der BMW i4 sind direkte Konkurrenten zum Tesla Model 3. Noch liegt Tesla bei Software, Batterietechnologie und Reichweite vorn. Thiels Aussage deutet darauf hin, dass er Tesla als den entscheidenden Treiber dieser Transformation betrachtet.

Parallelen zwischen Musk und Trump

Thiel, der nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten als dessen Berater fungierte, sieht überraschende Gemeinsamkeiten zwischen Musk und Trump. Auf die Frage der "Times" nach dem Verhältnis der beiden antwortete Thiel: "Ich werde Schwierigkeiten bekommen, aber die beiden sind sich tatsächlich sehr ähnlich. Sie sind beide Großmeister im Verkaufen und überlebensgroße Persönlichkeiten." Diese Einschätzung ist bemerkenswert, da Musk sich öffentlich von Trump distanziert hatte. Musk verließ das Beratergremium des Präsidenten aus Protest gegen die aus seiner Sicht verfehlte Klimapolitik.

Dennoch zeigt sich in jüngster Zeit eine Annäherung. Musk forderte im März 2018 auf Twitter "gleiche und faire Regelungen" zwischen den USA und China im Automobilhandel. Diese Position deckt sich eher mit Trumps Handelsagenda als mit dessen Klimapolitik. Ein offener Handelskrieg zwischen den USA und China wäre jedoch nicht im Sinne von Musks globalen Geschäftsinteressen. Tesla produziert inzwischen in einer Großfabrik in Shanghai und ist stark vom chinesischen Markt abhängig.

Hintergrund zu Peter Thiel und seinen Investitionen

Peter Thiel ist eine kontroverse Figur im Silicon Valley. Neben seinen Erfolgen als Investor ist er für seine politischen Ansichten bekannt. Er unterstützte die Kandidatur von Donald Trump und hielt eine vielbeachtete Rede auf dem Republican National Convention 2016. Thiel kritisierte die Tech-Industrie für ihre angebliche Konformität und mangelnde Meinungsvielfalt. Aufsehen erregte auch seine Rolle bei der Finanzierung von Klagen gegen die Website Gawker, die letztlich zu deren Insolvenz führte.

Thiels Investmentphilosophie ist geprägt von der Suche nach disruptiven Technologien. Er investierte früh in SpaceX, das heute als wertvollstes privates Raumfahrtunternehmen gilt. Auch in Bereiche wie Kryptowährungen und künstliche Intelligenz hat Thiel investiert. Seine Beteiligung an Facebook ist wohl eine der profitabelsten Start-up-Investitionen aller Zeiten. Diese Erfahrung prägt seine Sicht auf Elon Musk: Thiel weiß, wie man Visionäre gegen Widerstände unterstützt.

Die Produktionsprobleme bei Tesla und Musks Vision

Tesla sieht sich im Jahr 2018 mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert. Das Model 3, das als bezahlbarer Elektrowagen den Massenmarkt erobern soll, hat mit Engpässen in der Batterieproduktion und automatisierten Montagestraßen zu kämpfen. Musk selbst gab zu, dass das Unternehmen sich in einer "Produktionshölle" befinde. Kritiker werfen ihm vor, zu optimistische Ziele zu setzen und die Mitarbeiter zu überfordern. Dennoch hält Musk an seiner Vision fest, die Automobilindustrie zu revolutionieren und gleichzeitig SpaceX, The Boring Company und Neuralink voranzutreiben.

Peter Thiel verteidigt diesen Führungsstil: Man müsse Risiken eingehen, um Großes zu erreichen. In seinem eigenen Buch "Zero to One" hat Thiel beschrieben, wie wichtig es sei, in Unternehmen zu investieren, die einzigartige Technologien entwickeln – genau das tue Elon Musk mit seinen Firmen. Thiel sieht in Musks Multitasking keine Zersplitterung, sondern eine strategische Kopplung von Innovationen, die sich gegenseitig beflügeln. So profitieren etwa die Batterietechnologien von Tesla von den Entwicklungen bei SpaceX.

Die deutsche Autoindustrie sollte nach Ansicht Thiels diese Dynamik ernst nehmen. Statt auf Verbrennungsmotoren zu setzen, müssten deutsche Hersteller die Elektromobilität aktiv vorantreiben. Thiel warnt davor, Musks Erfolge auf die leichte Schulter zu nehmen. Wer gegen Musk wette, wiederhole denselben Fehler, den viele schon bei PayPal und SpaceX gemacht hätten. In 18 Jahren habe sich immer wieder gezeigt: Musk liefert, wenn auch mit Verzögerungen.

Insgesamt zeigt sich Peter Thiel als einer der prominentesten Verbündeten Elon Musks in der Tech-Branche. Seine Aussagen unterstreichen das Vertrauen in Musks Fähigkeiten, auch wenn die Gegenwart von Problemen geprägt ist. Die Zukunft wird zeigen, ob Thiels Verteidigung gerechtfertigt war oder ob die Kritiker am Ende doch recht behalten.


Source: finanzen.net News


Share:

Your experience on this site will be improved by allowing cookies Cookie Policy